Ein Bild von einem (Super)Mann – Superhelden, Ideale und Sexismus

31 Jul

Seit dem Podcast zum Thema “Frauen im Mainstreamcomic” (und wir meinen doch alle Superhelden damit, oder?), den ihr euch hier anhören könnt, hatte ich häufiger die Diskussion um die Darstellung von Männern und Frauen in Comics und die Frage, ob nicht beide einfach nur idealisiert dargestellt werden? Tatsächlich ist das eine Diskussion, über die man öfter im Internet stolpert, wenn man sich mit dem Thema “Frauen in Superheldencomics” beschäftigt, weswegen ich ein paar Links zu dem Thema versprochen habe.

Fangen wir mal mit dem Bild links an. Das ganze Kunstwerk könnt ihr hier sehen. Es ist eine Parodie auf die “brokeback” Pose – die Tatsache, dass besonders auf Covern oft versucht wird, sowohl das Dekolletee als auch den Hintern der Frau darzustellen, egal wie dämlich das wirken mag. Das Ergebnis fasste Kelly Thompson mal so zusammen “no, its not equal!”. Der Artikel zur Diskussion, ob Männer nicht auch “idealisiert” dargestellt werden, findet ihr hier. Aber auch Comic Alliance hat sich dieser “Kunst” bei Superheldencomics gewidmet – hier der Artikel, wie solche Darstellungen sogar die Geschichten zerstören können, die sie eigentlich erzählen sollten. Zu lesen hier. Dann möchte ich euch zu dem Thema noch die Escher Girls empfehlen (siehe hier), deren Inhaltsbeschreibung “this is a blog for pictures of female characters in impossible or ridiculus poses or with disturbing anatomy because the artist need to show teh sexy” schon sehr gut erklärt, warum sie in diese Liste gehören.

Zum Thema Kostüme und Sexismus im Superheldencomic hat Sue von DC Woman Kicking Ass einen sehr schönen Artikel geschrieben. Its not the pants – zu lesen hier. Ebenfalls bei ihr gab es die “fette Batwoman”, die als “nicht sexy genau” abgewiesen wurde. Wenn ihr das Problem nochmals in einem Bild zusammengefasst haben wollt, schaut bitte hier. Wenn ihr jetzt wissen wollt, wie im Gegenzug das Schönheitsideal von Frauen aussieht – bitte schön!

Verweisen will ich euch auch noch auf den Artikel zu Greg Rucka, den ihr hier findet, in dem er über das Schreiben von Frauen in Comics spricht. Auch die LA Times hat sich dem Thema “Gleichheit” in Superheldencomics gewidmet, den Artikel bei Sue dazu könnt ihr hier lesen.

Dann noch ein paar Themen, die auch im Podcast angesprochen wurde: Mütter und Superheldencomics ( zu lesen hier) und die Fragen, ob Superheldinnen verkaufen keine Comics können. Zu finden hier. Und schlussendlich noch der Artikel, der die Diskussion beim Podcast ausgelöst hat – meine öffentliche Trennung von DC. Zu finden hier.

Viel Spaß bei der Lektüre – und auf viele weitere gute Diskussionen!

7 Antworten to “Ein Bild von einem (Super)Mann – Superhelden, Ideale und Sexismus”

  1. Comicgirl 1. August 2012 at 19:32 #

    Ok, ich hab meine Meinung nach dem Lesen der ganzen Artikel ein bisschen geändert.
    1. Es stimmt schon, es gibt in allen Comics nur noch eine Art Frau, und es dürfte nicht so sein. Ich lese Wonder Woman zwar nicht, aber ich finde nicht, dass sie als Sexsymbol herhalten sollte. Bei Catwoman sehe ich das ein bisschen anders.
    Btw, Amanda Wallers neues Aussehen finde ich zum Kotzen.
    2. Kreativität scheint Grenzen zu kennen. Es ist mit den Comics wie mit den Kinofilmen, keiner probiert was neues aus. Wir wissen alle, dass Barry Allen schlussendlich wieder mit Iris West und Superman mit Lois Lane zusammenkommen wird. Das ist zwar schön zu wissen, aber der Neustart wirkt dadurch, als würde man wieder bei seinen Eltern einziehen und den Freunden sein altes Kinderzimmer als „neue Bude inner WG“ vorstellen.
    3. Ich kann mich dem kleinen Strip von der Frau, die den für Leserinnen angeblich attraktiveren Batman zeichnet, nicht anschliessen. Ich hasse Softie-Helden. Ich finds ok, wenn andere die mögen, aber ich persönlich kann damit nichts anfangen. Ich lache, wenn Robin (Damian) Red Robin (Tim Drake) aufs Maul haut, ich könnte kotzen, wenn ich von Spider-Mans Gefühlsleben erfahre, und ich spule bei X-Men alle Szenen, in denen Scott Summers vorkommt, vor.
    Ein Superheld muss für mich ein „ganzer Kerl“ sein, sonst storniere ich das Abo. Bei meinem Freund ist es übrigens genau anders rum, der liest am liebsten Animal Man.
    4. Die Zeichnungsqualität ist für mich sehr wichtig. Ein Comic kann noch so gut sein, wenn die Zeichnungen schlecht sind, dann landet er ganz hinten im Regal. Batman: Year One ist so ein Kandidat.
    Ich finds so schon eine Frechheit, was die Verlage den Lesern so alles vorsetzen, da sind so ein paar Brüste und Hintern manchmal echt das kleinste Problem für mich.
    5. Comics bedeuten mir sehr viel, sie sind das Hobby, für das ich am meisten Geld ausgebe und ich nehme die ganze Sache manchmal etwas zu ernst. Aber schlussendlich sind sie halt genau das – Comics. Es handelt sich hier nicht um real existierende Menschen. Die Figuren gehören einer Firma und die darf damit machen, was sie will, es kommen dabei ja keine Menschen zu schaden.
    Das einzige, was man als Leser machen kann, ist, auf bessere Zeiten zu hoffen oder konsequent aufzuhören.

    • eincomicleben 1. August 2012 at 20:32 #

      Viele gute Punkte.
      Zu 1: ich hab ja nichts gegen sexy Frauen in Comics – aber was sexy ist, ist für uns alle doch auch unterschiedlich. Wenn alle Frauen (und Männer) gleich aussehen ist das wirklich langweilig. Wenn alle f
      Frauen nur noch Pornosternchen sind, ist das deprimierend.

      Zu 2: es gibt ja einige Redakteure, die Fans versichern, dass sich die Helden eben NICHT ins Unweigerliche ergeben müssen und eine Beziehung mit “ihren” Frauen eingehen werden. Letztlich aber besteht das New52 allein aus Wiedererkennungsmomenten (Barbara Gordon ist Batgirl, weil alle Welt sie als Batgirl kennt) – da werden natürlich auch Iris und Barry zusammen kommen. In einem großen Event, das man groß bewerben kann.
      Langweilig muss es übrigens nicht sein, eine Geschichte neu zu erzählen – sonst wären die ganzen Origins von Superman nicht so erfolgreich und beliebt gewesen. Man kann dort immer wieder etwas neues schaffen.
      Zu 3: passt zu 1. Jeder findet etwas anderes attraktiv. Meinerseits Freundin steht auch eher auf die harten Kraftpakete. Ich mag so das Mittelmaß (z.B. Nightwing). Aber genau so stehen ja auch nichtslle Männer auf weiße Magermodels mit riesiger Oberweite. Deswegen wäre es wichtig, dass Comcis verschiede Typen darstellen – damit jeder was findet. Harte Action und Storys zum mitleiden.
      Zu 4: wenn man denkt, dass DC nur “die Besten” fürs New52 angestellt hat, könnte man die Wände hoch gehen…ich kann dir also nur zustimmen.
      Zu 5: Comics sind auch mein teuerstes Hobby – weswegen ich mich auch nicht ständig ärgern will dabei. Für mich heißt das eben, DC Titel praktisch nicht mehr zu lesen. Aber ich mag Superhelden (besonders die von DC) – da ist es frustrierend, wenn ich keine (neuen) Geschichten mit ihnen lesen kann.

      • Comicgirl 2. August 2012 at 17:02 #

        Ich glaube, die Comickonzerne (und besonders DC) haben einfach Angst, von (geldbringenden) Traditionen abzuweichen. Wie gesagt, Sex sells – auch wenn kein Sex zu sehen ist.
        Viele Menschen melden sich eben erst, wenn sie mit etwas unzufrieden sind. Als letztens bei den X-Men Northstar und Kyle geheiratet haben musste Marvel viele Kommentare von “Fans” und anderen Menschen erdulden, weil sie die “Frechheit” besassen, zwei Männer miteinander zu verheiraten.
        Und auch wenn ich beim Comiclesen über vieles hinwegsehe, so finde ich es doch toll, dass sich Leute wie du darüber Gedanken machen und sich tiefgreifend damit beschäftigen. Denn sobald die Kritik an den Darstellungen für die Verlage problematisch wird, werden sie sich ändern, sie müssen schliesslich die Massen zufriedenstellen.
        Ich finde es schade, dass die sich nicht mehr so für die Meinung ihrer Leser interessieren. Vor langer Zeit konnte man ja sogar anrufen, damit ein Robin stirbt, jetzt kann man gerade noch eine Email schicken, wenn etwas mit dem Abo nicht stimmt.

        Ich glaube aber auch, dass es die Darstellung der Frauen allgemein auf einem Missverständnis beruht. Comics sind da nur eine Art Spiegel und können an dem Frauenbild auch nicht wirklich etwas ändern. Wenn ich zum Beispiel lese, dass Nicole Scherzinger von den Pussycat Dolls als Vorzeigefrau gilt, weil sie erfolgreich und auch noch schön ist, dann frage ich mich, wie ich meiner (nicht vorhandenen) Tochter einmal ein gesundes Selbstwertgefühl beibringen soll.

        Ich lese gerne Sekundärartikel über Comics und finde es deshalb wie gesagt cool, dass du dich damit beschäftigst und ich dann sogar noch meine Meinung dazu äussern kann.
        Ich werde meine Comics in Zukunft auf jeden Fall mit offeneren Augen lesen und das Thema in Diskussionen auf jeden Fall mal ansprechen.
        Deine Posts (und der Potcast) werden also vielleicht DC und Marvel nicht ändern, aber mich hast du damit auf jeden Fall, auch wenn wir nicht bei allem gleicher Meinung sind, nachhaltig beeindruckt.

      • eincomicleben 2. August 2012 at 17:25 #

        Danke für das Lob und ich kann dir nur zustimmen. Vieles davon sind festgefahrene Traditionen, von denen sich gerade die großen Comicverlage nicht trennen wollen/können – besonders weil sie im Moment zusehen können, wie ihre Leserschaft wegschmilzt.
        Das Frauenbild, das ich hier kritisiere, beschränkt sich natürlich nicht nur auf Comics, sondern auf sehr viele Bereiche der (Pop)Kultur. Aber wenn ich denke, dass z.B. Beyonce von DC als “zu dick” abgelehnt würde (zu kräftige Oberschenkel), dann kann dich was nicht stimmen. Comics haben da sicher den Vorteil, dass sie so übertrieben aussehen, dass sich Kinder das nicht als Vorbild nehmen (anders als Magazine oder Werbung) – aber meinen Kindern würde ich die Titel, die ich lese auch nicht in die Hand drücken. Viel zu düster, brutal und gewalttätig.

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