Keine Frau, tote Eltern – Supermans schöne neue Welt

19 Jul

Irgendwann musste es ja rauskommen. DC hat nun endlich die Pläne für Superman im Rahmen des Neustarts ab September bekannt gegeben – in einer Presseerklärung und mehreren Interviews (siehe hier, hier und hier ). Hier was DC offiziell sagt:

In the pages of ACTION COMICS, writer Grant Morrison and artist Rags Morales will present humanity’s first encounters with Superman, before he became one of the World’s Greatest Super Heroes. Set a few years in the past, it’s a bold new take on a classic hero.

* This Superman is very much an alien, one struggling to adjust to his adopted home. In the series, he must come to terms with both the loss of his home world, as well as the loss of both of his adopted parents. He is more Kal-El from the planet Krypton than Clark Kent from Kansas. He’s a loner trying to find his place in the world.

* The series’ first storyline will explore the origins of Superman’s costume, as it evolves from a look that includes jeans and work boots to a new look: a suit of battle armor that pays tribute to his Kryptonian past.

* His great powers have limits. When the series begins, Superman can leap tall buildings, but his ability to fly is in its infancy.

And in the SUPERMAN ongoing comic book series, by writer George Perez and artist Jesus Merino, will be set in present day continuity and will unleash a series of new challenges for Superman and his alter ego Clark Kent.

* Clark Kent is single and living on his own. He has never been married.

* Lois Lane is dating a colleague at the DAILY PLANET (and his name isn’t Clark Kent) and she has a new position with the paper.

Gehen wir die Punkte mal einzelnen durch und ergänzen die Presseerklärung durch die Informationen, die man in den Interviews bekommen hat.

Zwei Serien, zwei Zeiten

Das macht sogar Sinn. Neue Comicleser (und die will DC ja holen), könnten sich schon fragen, warum Superman in zwei Comics Abenteuer hat und wie die miteinander zu tun haben. Nun wissen wir: in Action Comics wird die Anfangszeit von Superman erzählt, in Superman geht es um die „Gegenwart“ (die immer noch vor der jetzigen Gegenwart im DC Universum liegt, denn alle sind jünger – aber das war ja einer der Gründe hinter dem (Nicht-) Reboot). Dass am Ende die ganze Chronologie durch diese verschiedenen Zeitebenen noch komplizierter werden könnte (und wir haben hier noch nicht Mal von Batmans Chronologie geredet!) ist zwar auch eine Gefahr, aber die wollen wir lieber ausblenden an dieser Stelle.

Mehr Ka-El als Clark Kent

Und hier fangen meine Probleme an. Zunächst: ich mag Clark Kent und würde gerne mehr Geschichten mit und über ihm lesen. Zu erfahren, dass DC ihn immer noch zurückdrängt, lässt bei mir nicht gerade Freude aufkommen. Zumal wir genau das in den letzten Jahren durchgestabnden haben. Zunächst hatten wir weder Clark, noch Superman sondern nur Ka-El in der Handlung um „New Krypton“ – also ganz viel kryptonische Wurzeln. Kaum war das erledigt, da beschloss DC zusammen mit Autor J. Michael Straczynski (JMS) dass es eine gute Idee sei, Superman einmal quer durch Amerika laufen zu lassen und dabei seine Depressionen zu pflegen. Und nun haben wir wieder keinen Clark Kent im Daily Planet, sondern Ka-El, der damit kämpft, seinen Platz in unserer Welt zu finden.

Keine Eltern, keine Frau, kein Rückhalt

Die Idee dahinter ist, dass Clark, Pardon Kal-El, sich fremd in unserer Welt fühlen soll – im wahrsten Sinne des Wortes ein Alien. Das geht natürlich nicht, wenn er verständnisvolle Eltern oder eine Frau, die ihn vollkommen unterstützt, hat. Siehe Batman! Das ist auch das wahre Problem hier. Clark war immer ein Junge, der irgendwann Superkräfte entwickelt und lernen muss, dass es egal ist, wie menschlich er aussieht, er wird nie ganz einer von „uns“ sein. Das ist mit Eltern noch immer genügend Drama. Ohne Eltern, Freunde, einen Partner wirkt es einfach nur deprimierend (siehe Batman). Die Idee, dass Superman alleine herausfinden muss, warum es sich lohnt für die Menschen zu kämpfen und einen Platz in ihrer Mitte zu finden – all das hat „Grounded“ von JMS schon beleuchtet. Und nicht allzu erfolgreich. Warum man dieses Konzept nun nimmt und daraus einen neuen Pfeiler von Superman macht, bleibt mir ein Rätsel.

Weniger Kräfte

Wenn man die Abwesenheit der Eltern mit den beschränkten Kräften kombiniert könnte man meinen, die Oberen bei DC hätten eine Folge aus den letzten Jahren von Smallville geschaut und das Konzept einfach kopiert. Leider scheint es eine von den schlechten Smallville Folgen gewesen zu sein…

Clark Kent ist endlich wieder zu haben

Im Daily Plan ändert sich einiges. Superman ist nicht mehr verheiratet und wieder zu haben und Lois Lane hat einen neuen Freund (wie DC ganz stolz erzählt). Das ist der Punkt, wo ich nicht weiß, ob ich rot sehen oder mich trauend in eine Ecke kauern soll. Zum einen war Lois Lane immer einer der Hauptgründe, der mich an Superman fasziniert hat. Auch war es schön, dass es wenigstens eine funktionierende Beziehung im DC Universum gab. Das war einmal… Da spielt natürlich die felsenfeste Überzeugung mit rein, dass man keine gute Geschichten mehr erzählen kann, wenn Held und Heldin sich erstmal gekriegt haben. (Eine Ansicht, die praktisch das ganze Showbusiness teilt.) Was einfach nur von Ideen- bis Talentlosigkeit zeugt, wenn es sich nicht gerade um einen Liebesroman Handel, in dem es nur darum geht, dass sie ihn findet. Superhelden Comics fallen bekanntermaßen nicht in diese Kategorie.

Dreiecksbezihung für zwei

Die will DC auch wieder ausgraben. Weil alles andere langweilig ist. Vergessen wir, dass es inzwischen auch eine Menge Fans  gibt, die damit aufgewachsen sind, dass Superman und Lois ein Paar, wenn nicht sogar verheiratet sind und diese „Triangel for Two“ gar nicht mehr kennen. Dass es DC schafft, dem etwas neues abzugewinnen, bezweifle ich auch, um ehrlich zu sein, denn bisher haben sie vor allem ihren Statuts Quo erhalten – oder noch etwas zurückgeschraubt. Und dann noch die Sache mit Lois Freund. Flirten Superman und Lois, während Lois in einer festen Beziehung steckt? Hat bei Superman Returns ja schon ganz toll funktioniert…

Neuer Status Quo im Daily Planet

Lois wir einen neuen Job bei ihrer Zeitung haben. Die allgemeine Meinung: sie wird neuer (Chef)Redakteur sein. Was so ziemlich allem widerspricht, was Lois Lane ausmacht. Schließlich ist sie eine Reporterin, die ihre Geschichten veröffentlichen und die Wahrheit aufdekcne, koste es was es wolle. Deswegen bekommt sie einen Anfänger an ihre Seite (Clark Kent), um sie etwas zu bremsen und zu mehr Vorsicht zu treiben. Ein weiterer Punkt, der Fans von Lois auf die Barrikaden bringt: der Redakteur ist nicht gerade ein wichtiger Bestandteil der Handlung bei Superhelden Comics. Perry White mag zwar ein beliebter Charakter sein, oft zu sehen bekommt man ihn nicht und wenn, dann ziemlich kurz. Sollte Lois also befördert werden, wäre das eine „charmante“ Art, sie in die Ecke zu stellen und Staub ansetzen zu lassen. Wie da ihre „freundschaftliche Rivalität“ mit Clark entstehen soll, die Jim Lee angekündigt hat, ist ein Rätsel. Aber DC hat ja immer wieder mal bewiesen, dass sie von Journalismus nicht wirklich Ahnung haben.

Worst Case Szenario

Als DC irgendwann mal wieder beschlossen hatte, Wonder Woman zu erneuern kam man auf die Idee, ihren Freund Steve Trevor so alt zu machen, dass die beiden einfach kein Paar mehr sein konnten, sondern nur noch Freunde. Irgendwann später ging dann das Gejammer los, Wonder Woman sei so unzugänglich, ihr fehlen die menschlichen Beziehungen und man hätte ja gar keinen Zugang mehr zu ihr…. Die Angst einiger Fans: Lois wird nicht nur Chefredakteur im Planet, sondern auch viel älter als Clark, so dass DC diese Beziehung auch erstmal los ist.

Comics sollten mal Spaß machen…

Muss alles so furchtbar werden? Nein, natürlich nicht. Jim Lee und Dan DiDio geben sich auch gerade Mühe, in Interviews alles ganz harmlos klingen zu lassen. Keine Angst, im Grunde erzählen wir hier die coole Version von Smallville, alles wird gut, nur viel, viel besser. Dem stehen die kurzen Pressemitteilungen entgegen – und die Erfahrung das bis jetzt bei diesem (Nicht-)Reboot alles immer schlimmer geworden ist, als es schon war.  Natürlich ist es verständlich, dass DC irgendwann auch mal einen Strich ziehen und nicht alles, was bisher geschrieben wurde, in die laufende Handlung einbeziehen möchte. Allerdings hätten sie dazu schon jede Menge Gelegenheiten gehabt. Der Verlag hatte in den letzten Jahren mehrere neue Ursprungsgeschichten mit Superman gehabt. Ob „Birthright“ oder „Secret Origin“ – sie hätten nach jeder dieser Geschichten sagen können „das ist unser neuer Status Quo“ und ab da weitermachen können.

Was auch absolut unmöglich ist, ist die Pressearbeit, die DC gerade abliefert. Da kommt eine Pressemeldung, die vielen Fan nimmt, was sie heiß und innig lieben (bei Barbara Gordon war das nicht anders) – und einige Zeit später geben Lee und DiDio interviews, die zur Hälfte nonchalant beschwichtigen, zur Hälfte Salz in die Wunden streuen. Ausbaden dürfen es dann die Autoren und Zeichner, die sich im Internet (z.B. bei Twitter) den Fans stellen und versuchen, zu erklären, dass alles entweder nicht so schlimm wird oder doch ganz toll.

Auf der DC Seite wurden die Kommentare gesperrt, bei Facebbok werden unliebsame (sprich kritische) Kommentare gelöscht. Mit so einem Reboot mag man vielleicht ein paar neue Leser holen, aber Dc ist auch gerade dabei, es sich mit vielen alten Lesern zu vergrätzen.

Comics sollten eigentlich mal Spaß machen, aber bei DC ist man scheinbar der Meinung, alle Helden müssten „cool“ sein, also wie Batman und LEIDEN. Sie haben keine Eltern, keine Freunde, die Menschen stehen ihnen skeptisch gegenüber und eine gesunde Beziehung kommt schon gar nicht in die Tüte. Ich finde das ja eher deprimierend, als einladend.

5 Antworten to “Keine Frau, tote Eltern – Supermans schöne neue Welt”

Trackbacks/Pingbacks

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    […] dafür das neue kurze Cape von „Superboy“. Auch haben wir die Gewissheit, dass in Supermans neuer Welt Eltern sterben und Ehen nicht halten, Blackberrys gibt es aber immer noch. Na wenigstens etwas, auf das wir uns im […]

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    […] DC im September Supermans Welt ziemlich auf den Kopf stellt (zu lesen hier und hier  – die ersten Eindrücke von Action Comics #1 hier), hat DC auf ihrem Blog „The […]

  4. Action Comics #1 – Grant Morrison über seinen Superman « Ein Comic Leben - 30. August 2011

    […] weswegen der Neustart von Superman ziemlich viel Wirbel verursachen konnte. Da war zunächst der neue Status quo von Clark Kent (mehr Kal-El als Clark? (Gar) Keine Eltern mehr, keine Lois usw.), den nicht alles Fan begeistert aufnahmen (besonders die Sachen mit Lois, die wohl nicht in Action […]

  5. Supermans nächste Trennung: Clark Kent kündigt beim Daily Planet « Ein Comic Leben - 23. Oktober 2012

    […] hat seit dem New52-Neustart von DC ja schon einiges mitmachen müssen. Erst verliert er seine Eltern (beide tot), dann seine Ehefrau (Lois Lane wurde mehr oder minder aus seinem Leben gelöscht), von seinem roten […]

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