Wonder Woman TV Show – eine Bewertung der Pilotfolge

7 Aug

Was wurde über die geplante TV Serie von Wonder Woman nicht alles berichtet? Zunächst fanden alle das Konzept (drei Identitäten und Wonder Woman als Firmenchefin?) unpassend. Dann mochte niemand das Kostüm – und als die Pilotfolge fertig war und die ersten Leute sie zu sehen bekamen war es dann auch schon das Aus für die mögliche Fernsehserie. Was man meist einhellig von den ersten Testsehern zu hören bekam war, dass Wonder Woman in der Serie zu brutal ist. Ein paar Szenen haben dann auch ihren Weg ins Netz gefunden (zu sehen hier) und Bewertungen machten auch schnell die Runde (eine gibt es auch hier).

Aber am besten macht man sich selbst ein Bild und so musste eine kleine Gruppe von Testsehern mit mir zusammen die erste und auch letzte Folge von Wonder Woman 2011 sehen. Hier der Bericht:

Inhalt: Willis lebt mit seiner Mutter und seinen Geschwistern in bescheidenen Verhältnissen, aber das ist okay, denn er hat gerade den Brief bekommen, der ihn aufs College schicken wird. Eine rosige Zukunft für alle – würde Willis nicht zusammenbrechen und aus Augen und Ohren bluten. Eine Szene weiter sehen wir eine Verfolgungsjagd zwischen Wonder Woman und einem Muskelpaket. Nachdem sie ihn geschnappt hat nimmt sie ihm Blut ab, bevor sie den Mann widerwillig der Polizei übergibt. Denn der Mann hat irgenwas mit dem Zusammenbruch von Willis und noch ein paar anderen jungen Männern zu tun, die alle aktiver Sportler an ihren Schulen waren. Schuld ist Veronica Cale mit ihrer Pharmazie-Firme. Diana hat zwar keine Beweise, aber sie weiß es einfach.

Wenn Diana nicht durch die Straßen rennt und Leute verprügelt leitet sie eine Firma, die Geld für ihre Verbrechensjagd sammelt. Was stellt die Firma her? Wonder Woman Merchandising. Das ist auch die Erklärung für Wonder Womans Kostüm. Sie läuft rum wie eine Actionfigur, um diese zu verkaufen. (Das ist dann wohl auch die nicht gegeben Erklärung dafür, dass sie zwei Kostüme in der Serie hat – mehr Kostüme, mehr Puppen, mehr Geld). Neben ihrem Leben als Wonder Woman und als Firmenchefin hat sich Diana noch eine Identität als Diana Prince aufgebaut. So kann sie ungestört in einem Appartment sitzen, versuchen sich eine Facebook-Seite einzurichten und fernsehen. (Mehr tut sie nicht als Diana Prince.)

Neben den Problemen mit Veronica Cale gibt es da noch den Senat, der Wonder Woman nicht vertraut und überprüfen möchte, ob sie mit Polizei und FBI zusammenarbeitet oder nicht.

Am Ende foltert Diana die Informationen nach dem Labor, in dem die Droge, die für das Tod der jungen Athleten verantwortlich ist, aus dem Mann den sie am Anfang gefangen hat, raus und stürmt eben dieses Labor, nachdem Willis im Krankenhaus gestorben ist. Auch die Sache mit dem Senat klärt sich, denn Steve Trevor, ihr Ex, gibt ihr einen Freifahrtschein.

Was lief gut?

Die Actionsequenzen in der Folge waren gut und die Folge hätte durchaus noch eine Kampfszene gebrauchen können. Das war es dann leider schon.

Was geht gar nicht?

Wo fangen wir an? Die Wonder Woman Fans bei den Testsehern waren entsetzt, dass Wonder Woman Leute foltert und umbringt – dieses grimmige, übellaugige, gefährliche Etwas war NICHT Wonder Woman. Einem Testseher hat die grimmige Heldin zwar ganz gut gefallen – aber dann passen die „Teenager-Elemente“ wie der Verflossene, an den Diana ständig denken muss, nicht wirklich.

Es gab zu wenig Action und zu viele angefangene Handlungsfäden, die alle nicht wirklich zusammengepasst haben. Ja, Diana als Firmanchefin oder als Frau mit drei Identitäten hat noch erstaunlich gut funktioniert, aber man hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, die Serie hatte Ahnung was sie auch nur mit einer dieser Identitäten anfangen soll.

Veronica Cale als Lex Luthor der Serie ist sicher nett – aber es dürfte etwas ermüdend sein, wenn die Böse vor allem deswegen ständig entkommt, weil Wonder Woman immerzu das Gesetz bricht und man Cale deswegen nichts nachweisen kann.

Die ganzen Posen, die Wonder Womans Po oder ihre Brüste präsentieren, gingen auch nicht und haben zusammen mit dem schlechten Drehbuch eher an einen Porno erinnert.

Dazu kommt das Kostüm, dass viel zu eng war, Falten warf und nach Plastik aussah. Das fiel wirklich bei allen durch.

Was hat gefehlt?

Ein gutes Drehbuch und ein Konzept für die Serie.

Zum Drehbuch: die Handlung war konfus, überfrachtet mit Konflikten die alle nur angeschnitten, aber zum Teil auch gleich in einer Folge gelöst wurden. Das ganze wirkte wie ein drittklassiges Drehbuch, dass leider noch nicht mal so schlecht war, dass es wieder gut war.

Konzept: Wonder Women als toughe, desillusionierte Heldin? Okay. Wonder Woman als etwas neurotische Amazone, die sich in der modernen Welt zurechtfinden muss? Okay. Wonder Woman als eine Superheldin und Geschäftsfrau, die ihrer Karriere ihre Beziehung geopfert hat und merkt, dass das ein Fehler war? Wenn es sein muss. Aber alles in einem? Geht nicht und passt nicht zusammen. Die Serie konnte sich nicht einigen, was ihre Heldin eigentlich sein will. Helferin der Polizei oder eiskalte Rächerin – es geht nicht beides, denn entweder bringt man die Bösen um, wird dann aber selbst von der Polizei gesucht oder man hilft der Polizei, muss sich dann aber auch an die Regeln des Rechtsstaates halten.

Was hätte man besser machen können? 

Eine ältere Wonder Woman (so ab 30), die einfach keine Lust mehr hat, nach den Regeln zu spielen, weil man das Böse so nicht bekämpft – ja das hätte geklappt. Eine junge Wonder Woman, die mit Steve gerade erst in die Welt der Menschen gekommen ist und sich nun zurechtfinden muss, wäre sicher eine geniale Serie geworden (und hätte auch die Diana Prince Identität besser nutzen können). Man hätte die Serie auch mit etwas weniger Folter und viel mehr Humor ausstatten und die Heldin Power Girl nennen können – das hätte geklappt. Oder man hätte das Konzept der launischen, in Liebesdingen unsicheren Superheldin Supergirl geben sollen, wie vorgeschlagen wurde (die als Heldin auch bekannter als Power Girl gewesen wäre).

Fazit: kein Wunder, dass die Serie nicht übernommen wurde. Ja, das Drehbuch war richtig, richtig schelcht und da hätte man VIEL überarbeiten müssen. Aber da sie Show noch nicht mal ein überzeugendes Konzept von ihrer Heldin hatte, hätte man im Grunde bei Null anfangen müssen. Da hat der Sender die Serie lieber gleich begraben.

5 Antworten to “Wonder Woman TV Show – eine Bewertung der Pilotfolge”

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