DC Comics The New 52! Action Comics #1 – Superman versus the City of Tomorrow

7 Sep

Autor: Grant Morrison

Zeichner: Rags Morales

Farben: Brad Anderson

Verlag: DC

Preis: $3.99

Rating: T

Erschienen: September 2011

Empfehlung: eher ein Einstiegspunkt als Justice League, zumal Morrison sich auch als besserer Autor erweist. Allerdings können auch die vielen Smallville-Anspielungen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es der Serie an Herz fehlt – was durch Testosteron und Action ausgeglichen werden soll

Handlung: Metropolis, City of Tomorrow hat ein Problem – da läuft ein Kerl in Jean, komischem T-Shirt und mit nem roten Cape durch die Stadt und spielt Räuber und Gendarm mit der Polizei. Beide Seiten nehmen wenig Rücksicht auf die Stadt und die Bürger. „Superman“ rächt die „kleinen Leute“ und bestraft, wer seiner Meinung nach schuldig ist; die Polizei versucht ihn um jeden Preis zu fangen – und wenn man dafür auf einer Hauptstraße wild das Feuer eröffnet. Aber nicht nur die Polizei ist hinter Superman her, sondern auch das Militär. Geleitet wird die Operation von Sam Lane, dessen Tochter Lois die Reporterin der Zeitung „Daily Planet“ war, die Superman ihren Namen gab. Unterstützt wird das Militär bei der Aktion „fangt Superman“ von Lex Luthor, der ziemlich von sich und seinem Plan überzeugt ist und auch gute Gründe für seinen Einsatz hat. Superman ist ein Alien und wenn uns Biologie und Geschichte etws gelehrt haben, dann dass Eindringlinge in fremden Ökosystemen, in denen sie keine natürlichen Feinde haben, für Katastrophen sorgen. Ob die horrenden Kosten für Straßenerneuerungen durch Supermans Zerstörungen dazugehören, wurde nicht erwähnt….

Meinung: Action Comics #1 – wenn man DC glauben darf, einer der Gründe, warum das ganze DC Universum neu gestaltet werden musste (man wollte angeblich eine „Love-Triangle“ mit Superman und dann nahm das Unglück seinen Lauf). Hier hat Grant Morrison nun die Gelegenheit, seine Version von Superman zu erzählen, die er seinen Interviews zufolge schon lange im Kopf hatte. Wie ist sein neuer Superman? Um ehrlich zu sein, ein ziemlicher Arsch. Er ist unhöflich, brutal (hat er wirklich einen Mann durch eine Wand geschlagen? Clark, Menschen sterben bei so etwas!) und ziemlich rücksichtslos. Mit einem korrupten Industriellen vom Hochhaus zu springen mag cool aussehen und an Smallvilles „Action“ erinnern – aber der gute Mann hätte dabei auch an einem Herzinfarkt sterben können. Von dem zerstörten Straßenland durch die Landung ganz zu schweigen. Auch dass Superman inmitten einer Menschenmenge die Polizei zu einer Schießerei samt Verfolgungsjagd herausfordert ist alles andere, als rücksichtsvoll (Querschläger, Leute!). Sein Clark Kent wirkt dagegen so zurückgenommen, höflich und bescheiden, dass man meinen könnte, Superman leide an einer Persönlichkeitsstörung… wahrscheinlich spielt er aber nur mal wieder zwei Rollen.

Positiv zu bemerken ist, dass in Action auch Lois Lane und Jimmy Olsen auftretern. Die beiden arbeiten hier allerdings bei einer anderen Zeitung als Clark, sind dafür aber ziemlich gut getroffen (wenn man übersieht, dass Jimmy äußerlich ziemlich mitgespielt wurde). Im neuen DC Universum sind Jimmy und Clark scheinbar beste Freunde (äußerlich passen sie zusammen) und Lois kann ihren Rivalen nicht ausstehen. Sam Lane erinnert hier auch mehr an sein Smallville Pendant – hier macht er sich zwar auch Sorgen um einer Bedrohung durch Aliens, aber Lois ist ihm alles andere, als egal. Immerhin das könnte interessant werden. Der Comic endet mit einem Cliffhanger, der nur einer ist, wenn man noch nicht die nächsten Cover gesehen hat. Kleiner Tipp:

Die Tatsache, dass die „kleinen“ oder „einfachen“ Leute auf Supermans Seite sind ist ein nettes, nostalgisches Detail – allerdings muss man sich schon fragen, ob die Menschen in Metropolis nicht doch eher Angst vor einem Mann mit Superkräften hätten, der nachweißlich immer stärker wird und Schießereien und Zerstörung provoziert. Aber auch dieses Thema scheint Grant Morrison anzusprechen: 

Die Zeichnungen sind gut, könnten aber noch etwas mehr Details verkraften. Bei den Action-Szenen wirken sie allerdings und darauf kommt es bei diesem Comic wohl an. Etwas störend ist nur, dass man bei Superman das Gefühl hat, er hätte in diesem Comic eine Altersspanne von 15- 35 Jahren. Es wäre schön, wenn es Morales gelingen würde, Clark durchgängig wie Anfang zwanzig aussehen zu lassen.

Was wir noch wissen: Im laufe der Jahre wird Superman ein neues Kostüm entwickeln, Clark wird beim Daily Planet anfangen und sich in Lois Lane verlieben. Was wir auch wissen: Lois wird ihre Berufung an den Nagel hängen für einen Job beim Fernsehen und auch in Jahren noch keine Ahnung haben, dass Clark sie mag. Und die Kents sind immer noch tot. Nicht die besten Aussichten, aber wenigstens ganz gut erzählt.

Mehr Rezensionen zu den „New 52“ von DC (und dann auch die Comics) gibt es beim Groben Unfug.

6 Antworten to “DC Comics The New 52! Action Comics #1 – Superman versus the City of Tomorrow”

  1. Mike 8. September 2011 um 14:52 #

    Mir hat ACTION # 1 sehr gut gefallen.

    Morrison hat es (fast) perfekt geschafft, Eigenschaften und Verhaltensweisen des “frühen” / originalen Superman (aus dem GOLDEN AGE, also Ende der 30er /Ang. der 40er Jahre) zu kombinieren mit modernen Elementen (vozugsweise aus der SMALLVILLE TV-Serie).

    Schöne Beispiele sind die Sachen mit dem Sprung vom Hochhaus, der Erwähnung des Wife-Beaters usw. – das stammt alles aus den ersten ein Dutzend Supie- Stories von 1938/39; laut lachen mußte ich bei dem Dialog “Somebody… Save Me!” – Das ist die Titelzeile aus dem SMALLVILLE Vorspann -dort geträllert von “Remy Zero”!

    Das Superman’s Verhalten in ACTION # 1 befremdlich / arschlörig auf Leser erscheint, die nur die “weichgespülte” / “Pfadfinder”- Fassung des Characters kennen (quasi fast jede -!- Interpretation der Figur seit Anfang der 50er Jahre -!-) wundert mich überhaupt nicht.

    Wer sich ein wenig mit den Ursprüngen Supies beschäftigt, wird schnell merken, das Grant Morrison seine Hausaufgaben extrem gut gemacht hat.

    Zum Thema „Artwork“ muß ich Dir zustimmen: Stellenweise kann sich Rags Morales offensichtlich nicht entscheiden, ob Clark Anfang zwanzig oder Mitte dreißig ist.

    Nach dem Schul-Noten-System würde ich dem ersten Heft eine “2+” geben!

    • eincomicleben 8. September 2011 um 17:35 #

      Ich musste übrigens bei „Somebody…Save me“ auch lachen… Trotzdem ist Superman inzwischen seit Jahrzehnten eben der Big Boyscout, das jetzt dauerhaft zu ändern ist eben sehr befremdlich. Ich möchte nicht wissen, was passieren würde, wenn Batman aufeinmal nicht mehr mehr düstere, depressive Einzelgänger wäre, sondern eher wieder fröhlich….
      Trotz der Hausaufgaben von Morrison, sein Clark war mir zu düstern zu rücksichtsvoll und schon fast auf der Schwelle zum Bösewicht. Es fehlt eben Ma Kent, die ihrem Sohn die Leviten liest (es gibt schon einen guten Grund, warum man die Eltern eingeführt hat).

Trackbacks/Pingbacks

  1. Was vom Reboot übrig blieb: nett, euch kennengelernt zu haben « Ein Comic Leben - 4. Oktober 2011

    […] Action Comics hat es eher überraschend auf diese Liste geschafft. Ich mag das Konzept nur bedingt, vor allem nicht, dass Clark weder seine Eltern, noch Lois in seinem Leben hat. Aber in sich ist das alles stimmig und wenn man einen brutalen Superman akzeptiert, der das Gesetz in seine eigenen Hänge nimmt und dabei wenig Rücksicht auf andere zeigt, hat man eine durchaus interessante Geschichte. Wer’s mag, sollte einen Blick reinwerfen. […]

  2. NCIS’ Abby wird Lois Lane « Ein Comic Leben - 14. Februar 2012

    […] antreten muss, die auch vor Gewaltanwendung nicht zurückschrecken (warte, warum kommt mir das nur so bekannt vor?) bekämpfen muss, wird von George Newbern gesprochen, der die Rolle auch schon in der Justice […]

  3. Es gibt was zu gewinnen: Superman 1 (+ Supergirl) « Ein Comic Leben - 20. Juni 2012

    […] davon kommt). Bei Neustart hab ich dank des Groben Unfugs die #1 gelesen. Zu finden ist der Bericht hier. Schlecht ist der Comic wirklich nicht – nur tue ich persönlich etwas schwer mit diesem […]

  4. Verlagswechsel, Teil 1: warum ich DC verließ…. | Ein Comic Leben - 4. März 2013

    […] gut, ich habe versucht dem neuen Batgirl unter Gail Simone eine Chance zu geben. Ebenso habe ich Superman getestet. Das Ergebniss war immer gleich: zu düster, zu brutal, zu humorlos, zu sexistisch, zu […]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: