Buchhaim für Fortgeschrittene: Walter Moers‘ „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“

19 Jan

200 Jahre ist es her, dass Hildegunst von Mythenmetz Buchhaim das letzt Mal betreten hat. In dieser Zeit hat er einen großen Roman geschrieben (Die Stadt der Träumenden Bücher) und sich seitdem auf seinem Ruhm ausgeruht. Doch dann bekommt er Post aus Buchhaim (wieder ein geheimnisvolles Manuskript) und muss sich seinen Ängsten wieder stellen. Doch in Buchhaim selbst stellt sich heraus, dass 200 Jahre eben eine verdammt lange Zeit ist und sich in dieser so einiges geändert hat in der Stadt der Bücher die nun eine Metropole ist – inklusive neuer Vorliebe für das Puppenspiel.

Wahrscheinlich wäre „Buchhaim für Fortgeschrittene“ der bessere Titel gewesen, denn eigentlich handelt es sich bei diesem Roman um einen Reisebericht aus Buchhaim. Was eigentlich kein Problem sein sollte, denn der Ort war schon im Vorgängerroman großartig und seine Wandlung zur Metropole bietet genug Raum für allerlei Seitenhiebe auf Trends und Tourismus. Dennoch hat das Buch einige Längen – was wohl daran liegt, dass Moers irgendwann seinem Verlag eingestehen musste, dass es zu viel Stoff hatte und der Text auf zwei Bände geteilt werden müsste. Da fiel das lästige Kürzen wohl weg.

Über den Sinn und Zweck des Puppetismus kann man sicher auch streiten – aber Moers hat diese Kunstform nunmal zum Dreh- und Angelpunkt dieser Geschichte gemacht, somit sind Mythenmetz Ausschweifungen in diesem Gebiet sogar noch gerechtfertigt.

Trotzdem, am besten sind die kurzen Kapitel gelungen, in denen die Geschichte zügig voran kommt und Moers beweisen kann, dass er nicht nur intelligent, geistreich und clever, sondern eben auch spannend und kurzweilig schreiben kann. Zudem sind die Zeichnungen wieder sehr gelungen und helfen der Fantasie noch etwas auf die Sprünge.

Am Ende wäre es vielleicht besser gewesen, das Buch entweder als eine Art zamonischen Reiseführer zu verkaufen, in dem die Gefahren des Labyriths am Ende ganz plötzlich und unerwartet eindringen – oder der Verlag hätte viel früher Einfluss nehmen und dafür sorgen müssen, dass der Text von Beginn an so gekürzt würde, dass es in dem Buch wirklich um das „Labyrinth der Träumenden Bücher“ geht und nicht nur um den langen Weg dorthin.

Dass man das Buch trotzdem mit Vergnügen lesen kann, ist sicher ein Beweis von Moers Können. Nur wäre es nett, wenn beim nächsten Buch auch drin ist, was der Titel verspricht.

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