Lesestoff: Der Geschmack von Chlor

16 Feb

Schwimmen, das ist nicht seine Welt. Deswegen hört er auch nur widerwillig auf seinen Physiotherapeuten. Aber dieses Mal muss es sein. So begibt sich unser „Held“ ins das städtische Hallenbad. Eigentlich ist es hier ganz schön, der große Raum mit dem Glasdach. Doch schwinnen, das scheint eine eigene Welt zu sein und er will da nicht so recht reinpassen. Das ändert sich, als er eine junge Frau bei einem seiner Besuche bemerkt. Schön und atletisch, scheint das Wasser ihr Element zu sein. Dann schafft es sein Freund auch noch, ein Gespärch mit der Schwimmerin zu beginnen, als er ihn zu einem der Termine im Schwimmbad begleitet. Als sie ihn nächste Woche wegen seinem Freund anspricht, kommen auch diese beiden ins Gespräch. Es geht ums schwimmen. Sie gibt ihn Tipps – und während er besser wird, beginnen sie auch langsam über andere Themen zu reden.

Wie im richtigen Leben ist auch die Geschichte dieser Graphic Novle viel zu schnell vorbei. Ganz plötzlich, ohne Erklärungen. Aber es passt zu der melancholischen Grundstimmung der Handlung. Von Anfang hat durchzieht diese Graphic Novel ein Gefühl von Traurigkeit und Isolation. Dazu passen die Bilder von unserem einsamen Schwimmer – besonders, wenn er taucht und die anderen Menschen durch einen Wasserschleiher betrahchtet.

Dass hier nicht viel Gesprochen wird und ganze Seiten ohne Dialog auskommen, unterstricht diese Wirkung nur noch. Aber sie zeigt auch, dass eine Geschichte auch ohne viele Worte viel zu sagen hat.

Der Stil von Bastien Vivès ist hier noch etwas skizzenhafter als in seinen anderen Werken. Die schemenhaften Wahrnehmungen von anderen Menschen mögen sicher gut zu der Einstellung des Schwimmers passen, aber sie können auch nicht jedermanns Sache sein. Wer sich aber darauf einlässt, bekommt eine poetische Geschichte, die doch sehr real ist und deswegen viele Leute ansprechen dürfte.

Ein kleines Meisterwerk, vielleicht nicht ganz so bewegend wie das großartige „In meinen Augen„, aber trotzdem ein wunderbarer Comic, den man gelesen haben sollte.

Der Geschmack von Chlor
Bastien Vivès
Aus dem Französischen von Kai Wilksen 
Lettering von Dirk Rehm
144 Seiten, farbig, 25,5 x 19 cm, 
Klappenbroschur 
ISBN 978-3-941099-48-7
EUR 18,00

Mit freundlicher Unterstützung von Reprodukt – auf dessen Seiten man auch eine Leseprobe findet.

Eine Antwort to “Lesestoff: Der Geschmack von Chlor”

Trackbacks/Pingbacks

  1. Eine Entdeckung wert – der Tagesspiegel über Bastien Vivès « Ein Comic Leben - 16. April 2012

    […] oder ob er eine Schwimmhalle als eine andere Welt zeigt, in die man erst langsam einsteigen kann (Der Geschmakc von Chlor) – es sind meist die Seiten ohne Text, die sich dem Leser ins Gedächtnis […]

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