Lesestoff: EinComicLeben liest Watchmen

23 Jun

Ein paar Dinge gehen als Comicfan so gar nicht – und Watchmen nicht gelesen zu haben, gehört wohl dazu. Ich hab früher etwas über die Charaktere und die Handlung im Web gelesen, in den Comics geblättert und den Film gesehen, nachdem ihn mir Verwandte zum Geburtstag geschenkt haben (weil ich ja Comics mag). Damals hätte ich mir auch fast den Comic gekauft – aber ich kam mit dem Zeichenstil so gar nicht zu Rande (und so gut hat mir die Handlung auch nicht gefallen). Aber wie gesagt, dass geht ja gar nicht. nachdem schon die Widmungen in Büchern verkündeten, dass ich in diesem Gebiet unwissend Bon, ist es Zeit, dem Abhilfe zu schaffen. Zumal mir in meinem Lieblingscomicshop eine Ausgabe des Comic in die Handgedrückt wurde, um mich aus dem Tal der Ahnungslosen zu befreien. Ich danke also @quitzi und dem Groben Unfug für die Hilfestellung und beginne hiermit das Experiment: EinComicLeben liest Watchmen. Ein Kapitel, ein Bericht – den rezensieren kann ja jeder. Es folgt: Watchmen, Chapter 1: At Midnight, All The Agents

Freitag Nacht starb ein Komiker in New York. Und niemand kümmert sich darum. Auch wenn es sich um DEM Komiker, den Comedian handelt. Der Comedian war ein „Superheld“, oder was in der Welt von davon übrig blieb. Einer der maskierten Irren, der erst Diebe und Mörder jagte und dann im Auftrag der Regierung in anderen Ländern mordete. So vermuten seine ehemaligen „Kollegen“, die anderen Helden, die ihre Kostüme längst an den Nagel gehängt haben, dass eine andere Regierung den Comedian hat umbringen lassen. Nur Rorschach glaubt nicht daran.Der letzte aktive Rächer (Held ist wirklich mehr als unpassend), führt durch das erste Kapitel.

Danach ist dann auch klar, warum die Regierung alle Helden und Rächer mit einem Gesetz zwang, sich zu offenbaren (hallo Marvel Civil War) – die meisten dieser Leute scheinen mehr oder minder Irre und fast schon ebenso brutal zu sein, wie die Leute, gegen die sie zu Felde ziehen. Allen voran Rorschach, dessen Welt nur aus Mördern, Korrupten und Huren besteht. (Hier zeigt sich auch wunderbar das Problem, das so viele Comics mit Frauen haben: sie sind Mütter, Opfer und/oder Huren – mehr nicht).

Rorschach als „Erzähler“ ist eine interessante Wahl und lässt die Frage aufkommen, ob die Welt wirklich so dunkel und verkommen ist – oder ob wir einfach nur in dem Kopf eines Geisteskranken stecken, der die Wirklichkeit nicht sehen würde, wenn sie ihn in den Hintern treten könnte.

Am Ende des Kapitels hat Rorschach all seine ehemaligen Kollegen vor einem möglichen Masken-Kilelr gewarnt und der Leser ist sich ziemlich sicher, dass so ein Ekel wie der Comedian, mehr als genügend Feinde für einen Mord hatte (und dass sein Tod wahrscheinlich kein Verlust für die Gesellschaft war).

Am Ende des Kapitels gibt es einen „Auszug“ aus dem im Comic erwähnten Buch „Under the Hood“, in dem der erste „Nightowl“ über sein Heldenleben erzählt und der Leser wohl mitbekommen soll, wie die Welt wurde, was sie ist (These: das Scheitern von Superheldencomics hängt irgendwie mit dem drohenden Weltuntergang zusammen).

Der Anfang von Watschen eignet sich eigentlich nur für Fans von Dystonien. Der Rest des Comics siebt mit seiner verschachtelten Erzählweise aber sehr spannend aus.

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8 Antworten to “Lesestoff: EinComicLeben liest Watchmen”

  1. Thomas Heveling (@HellGreetings) 23. Juni 2012 um 15:41 #

    Ich hatte Watchmen vorletztes Jahr gelesen und hatte durchweg Gänsehaut. Trifft so ziemlich exakt meinen Geschmack. Kaputte Superhelden sind die besten Superhelden, imho.
    Danach sah ich den Film. Zack Snyder beweist endgültig seine Talentfreiheit, wenn er den Comic Panel für Panel nicht verfilmt, sondern konvertiert und dabei das Timing so unfassbar versiebt, dass der Film nicht nur langweilig sondern auch richtig schlecht wurde. Und dann noch die vielen CGI-Welten, die in meinen Augen alles andere als zeitgemäß oder „visuell ansprechend“ sind. Und warum im Film auch noch „99 Luftballons“ läuft und Brutalität mit Blut gleichgesetzt wird, kapier‘ ich auch nicht so recht…

    PS: Meinst du mit „Hier zeigt sich auch wunderbar das Problem, das so viele Comics mit Frauen haben: sie sind Mütter, Opfer und/oder Huren – mehr nicht“ eigentlich, dass der Comic das Problem schafft oder zeigt? Bin mir nicht ganz sicher 🙂

    • eincomicleben 24. Juni 2012 um 19:58 #

      Ich meinte, dass der Comic das Problem zeigt – auch hat – seine „Schuld“ ist es nicht und hier passt es eben auch in die Weltsicht des Erzählers.

  2. Piers Fletcher 23. Juni 2012 um 18:03 #

    Für mich war Watchmen (zusammen mit The Dark Knight Returns und Sandman) einer der Comics, die mir das Medium als Anfang Zwanzigjähriger (wieder) nahegebracht haben. Von daher ist es komplett mit meiner „Comic-Biographie“ verwoben – dementsprechend könnte ich auch keinen Review schreiben. Das Buch ist mir einfach zu nah.

    Wünsche Dir viel Spaß beim lesen und bin schon gespannt auf die weiteren Teile…

  3. Mike 23. Juni 2012 um 21:13 #

    Ich halte Zack Snyder’s WATCHMEN Verfilmungfür eine der werkgetreusten und gelungensten Comic-Verfilmungen überhaupt (gemeinsam mit Streifen wie etwa THE ROCKETEER, SUPERMAN – THE MOVIE, 300, BARBARELLA, FLASH GORDON… usw.) Snyder hatte bereits bei „300“ bewiesen, das eine WERKgetreue -!- Adaption von Comics möglich ist – und auch erfogreich sein kann. (Sorry, aber wozu sic die Mühe machen und Comics verfilmen wollen, wenn dann z.T. wichtige Details verändert werden, wie etwa bei den „Fantastic Four“- movies, den ersten drei „Spider-Man“-Filmen usw.

    WATCHMEN der Comic war während seines erscheinens (1986/87) DAS Gesprächsthema unter US- Comic-Fans (zusammen mit Miller’s DARK KNIGHT RETURNS, Wolfman/Perez‘ CRISIS ON INFINITE EARTHS und Byrne’s SUPERMAN relaunch)! wer sich ernsthaft für das Genre „Super-Hero“ interessiert sollte WATCHMEN zumindest ‚mal gelesen haben (und sei es nur, um zu sehen, welche Autoren sich in den vergangenen 25 Jahren von WATCHMEN haben „inspirieren“ lassen. -„Civil War“ ist da ein gutes Beispiel… wie man es NICHT machen sollte!-

    • Thomas Heveling (@HellGreetings) 23. Juni 2012 um 21:53 #

      Eine Verfilmung hat gar nicht werkgetreu zu sein – deshalb ist sie eine Verfilmung. Ein Film und ein Comic/Buch müssen unabhängig voneinander existieren können. Wenn ich aus dem Kino gehe und anderen erkläre, dass man gewisse Stellen besser versteht, wenn man die Vorlage gelesen hat, dann hat der Regisseur schlicht seine Arbeit nicht getan.
      Und eine Comicverfilmung hat auch nicht den Zweck, die Vorlage genaustens wiederzugeben, da sie sonst überflüssig wird. Aber nur meine Meinung! 🙂

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