Lesestoff: EinComicLeben liest Watchmen, Teil 4

1 Aug

Dank @quitzi und dem Groben Unfug habe ich einen Lesemarathon von “Watchmen” gestartet. Nach einer kleinen Durststrecke gibt es nun den nächsten Teil. „Chapter IV: Watchmaker“ beschäftigt sich mit Dr. Manhattan. Hier erfahren wir, wie aus dem Sohn eines Uhrmachers ein Wissenschaftler und aus einem Wissenschaftler ein Superheld wurde – der schließlich von zwei Frauen verlassen wird und sich auf den Mars zurückzieht, während die Erde ihrem Unheil entgegen taumelt.

Das war dann schon die Zusammenfassung des gesamten Kaptitels. Viel passiert nicht – aber Moore füllt dies mit einem Erzählstil, der sich Dr. Manhattans Gedankengängen anpasst.

Auf den ersten Seiten sorgte das bei mir für ziemlich viel Frust, denn der Text ist so wirklich anstrengend zu verfolgen. Es dauert, bis man sich in der Struktur zurecht findet und die eigentliche Geschichte wahrnehmen kann. Nachdem ich aber aufgehört habe, Alan Moore zu verfluchen und ihm jedes Jahr ein „Before Watchmen“ an den Hals zu wünschen (war ja zudem noch für „Killing Joke“ verantwortlich), beginnt man, sogar etwas Poesie in der Handlung und ihren Wiederholungen zu erkennen.

Was nichts daran ändert, dass mich weder die Charaktere noch die Handlung im Moment dazu verleiten würden, weiterzulesen. Wäre „Watchmen“ eine Serie, die monatlich erscheint – ich wäre schon längst ausgestiegen. Ich würde wahrscheinlich auch jetzt nicht weiterlesen, wenn ich nicht diese Reihe gestartet hätte. „Watchmen“ und ich – das ist bisher alles andere, als eine Liebesbeziehung.

Interessant und originell ist hier zumindest der Ansatz, dass jemand die Zukunft sehen kann (inklusive all der schreckliche Dinge, die da kommen) und sie nicht verhindert, eben weil er sie gesehen hat und sie deswegen ja eintreten müssen. Normalerweise läuft das ja in solchen Geschichten anders ab – und Moore spiel regelrecht mit diesen Erwartungen. Auch könnte man sich fragen, wie viel Jon wirklich noch fühlt – immerhin fängt er eine Beziehung mit einem Mädchen an, das seine Tochter sein könnte – auf der anderen Seite ist er schon sehr entrückt, wohl auch, weil er die Geschehnisse nicht mehr chronologisch wahrnimmt. Allerdings kann man sich fragen, warum so ein der Menschheit entrückter Gott dann unbedingt das jüngere, hübschere Mädel flachlegen muss oder überhaupt eine Beziehung haben will?

Und wo wir bei Fragen sind: ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich den Comics nicht komplett aus Rorschachs Blickwinkel bevorzugt hätte. Ja, das wäre ein Comics aus der Sicht eines widerlichen Ekelpakets (aber ehrlich, viel besser sind die anderen Charaktere auch nicht), hätte aber wenigsten noch das Mysterium gehabt, dass man sich nicht sicher wäre, ob sich die Geschichte wirklich so zugetragen hat, oder ob der paranoide Irre sich die Hälfte nur zusammenphantasiert hat. Moores pro Kapitel wechselnde Blickwinkel sind sicher abwechslungsreich, aber sie täuschen eben auch Objektivität vor.

Im Anschluss an das Kapitel gibt es einen Auszug aus „Dr. Manhattan: Superpowers and the Superpower“ von Prof. Milton Glass, das ich aber noch nicht gelesen habe. Das Kapitel war wie gesagt anstrengend.

EinComicLeben liest Watchmen, Teil 1Teil 2 und Teil 3.

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