Christmas Comic Shopping List Gastbeitrag – Elmer

6 Dez

Ich muss dieses Jahr besondern brav gewesen sein, denn zum Nikolaus gibt es einen Gastbeitrag, der mich wirklich neugierig auf den Comic gemacht hat. Dank dafür gilt an Oliver Ristau, Freier Autor für u.a. Tagesspiegel, ver.di publik und mare. Ich sag doch, ich muss wirklich brav gewesen sein. Wenn ihr auch zur Christmas Comic Shopping List was beitragen wollt – gerne! Texte oder Fragen einfach an mich. Und nun folgt Olivers Text. Viel Spaß:

Bildschirmfoto 2012-12-06 um 12.41.50Letztes Jahr habe ich erstmalig einen Comic zu Weihnachten verschenkt. Erstmalig deshalb, weil der Beschenkte noch niemals einen Comic gelesen hatte. Bei einem derartigen Himmelfahrtskommando sollte zumindest beachtet werden, dass bei dem zu Beschenkenden wenigstens ein Interesse am verhandelten Thema des Comics vorausgesetzt werden kann. Sonst kann dieser Akt von freudigem Geben und Nehmen zu großer Enttäuschung auf beiden Seiten führen, und wer möchte so etwas an Weihnachten schon riskieren?
Besagter Comic also trug den Titel „Elmer“ und drehte sich um Hühner, beziehungsweise deren beschwerlichen Weg zur Gleichberechtigung gegenüber dem Menschen als dominierender Spezies. Denn die Hühner in diesem Comic sind mit einem Mal recht groß, können sprechen…und sich notfalls gar vehement zur Wehr setzen. 
Eine wunderbare Ausgangslage für einen talentierten Künstler, um daraus sämtliche dramatischen Register zu ziehen. Dies tut der philippinische Autor und Zeichner Gerry Alanguilan dann auch in liebevoller Hingabe, wobei der Unabhängigkeitskampf der Hühner ein Sinnbild für Alanguilans Geburtsland und dessen oft schmerzliche Geschichte darstellt. „Elmer“ steht diesem an Dramatik in nichts nach, aber auch Komik spielt hier eine Rolle – obwohl dies definitiv kein komischer Comic ist. Der zwischen geradliniger Direktheit bei den Figuren und detaillierter Darstellung der Landschaft variierende Zeichenstil verrät den langjährigen Profi.
Denn Alanguilan ist ein versiertert Inker vieler US-amerikanischer Titel, aber ebenso ein wichtiger Teil der Comic-Szene, nicht nur auf den Philippinen. So kuratiert er ein virtuelles Comic-Museum, welches sich der Geschichte des Mediums in seiner Heimat widmet und genießt international einiges Renommee, beispielsweise bei Neil Gaiman. Dessen lobende Postkarte findet sich am Ende von „Elmer“, von dem ein erstes Kapitel übrigens gratis online gelesen werden kann. Außerdem ist Gerry Alanguilan nicht nur The Greatest Man On The Internet, er wäre vermutlich auch ein guter Autor für Wonder Woman.
Leider gibt es bislang hierzulande noch keine übersetzte Ausgabe von „Elmer“, allerdings war der Titel schon mal in der engeren Wahl für eine deutsche Veröffentlichung. So bleibt bis dahin nur der Kauf des Originals in englischer Sprache sowie der französischen oder japanischen Übersetzung übrig. Der Erwerb lohnt in jedem Fall. Und was meinen Erfolg beim Verschenken betrifft: Der Beglückte war angenehm überrascht, vor allem darüber, was Comics doch alles zu leisten vermögen. Dramatische Szenen unter dem Tannenbaum blieben also aus, beziehungsweise resultierten lediglich aus der äußerst aufregenden Lektüre von „Elmer“.

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